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Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg

Tag der gesunden Ernährung: Was Menschen mit Lungenkrebs wissen sollten

Am 7. März ist der Tag der gesunden Ernährung. Das Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg erklärt, warum gesunde Ernährung keine Magie ist, wie Menschen mit Lungenkrebs Nebenwirkungen „austricksen“ können und warum Nahrungsergänzungsmittel nur selten sinnvoll sind

07.03.2017

Abends keine Kohlenhydrate, viele Omega-3-Fettsäuren, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, nicht mehr als zwei Tassen Kaffee, viel Eiweiß, am besten in Kombination mit hochwertigen Fetten - die Liste der Ernährungsweisheiten ist lang. Hier die Übersicht zu behalten - schwierig bis unmöglich. Genauso lang ist die Liste der Nahrungsergänzungsmittel, die in Apotheken, Drogerien und Supermärkten auf Käufer warten und Gutes für Gesundheit und Wohlbefinden versprechen.
Besonders Menschen, die an einer Krebserkrankung leiden, stehen vor der Frage, wie sie sich optimal ernähren sollten, um die Therapie möglichst gut zu unterstützten. Die gute Nachricht: Gesunde Ernährung ist kein Hexenwerk - für gesunde Menschen und auch für Menschen mit Krebs nicht.

Keine Magie: Gesunde Ernährung
Grundsätzlich gilt: Eine ausgewogene Ernährung ist ausreichend, um eine Krebstherapie zu unterstützen. Die Zeiten, in denen Lungenkrebspatienten bestimmte Diäten strikt einhalten mussten, sind vorbei. Damit gelten im Prinzip die gleichen "Regeln" für Menschen mit Lungenkrebs wie für alle anderen auch:

  • Viel Flüssigkeit ist wichtig! Am besten führt man dem Körper diese mit Mineralwasser, ungesüßten Tees oder Fruchtschorlen (am besten aus frisch gepressten Säften) zu.
  • Ballaststoffe regen die Darmtätigkeit an und helfen dem Körper bei der Verdauung von Speisen - Vollkorn- und Getreideprodukte sind daher wichtig für eine gesunde Ernährung.
  • Fleisch ist nicht grundsätzlich ungesund - allerdings sollte für eine gesunde Ernährung Geflügelfleisch und Fisch eher auf den Speiseplan genommen werden als Rind- oder Schweinefleisch.
  • Bis zu fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag versorgen den Körper mit Vitaminen. Eine Portion ist dabei ungefähr die Menge, die in den eigenen Handteller passt, also beispielsweise eine Hand voll Beeren, ein Apfel, zwei kleine Mandarinen oder etwa 1-2 Möhren. Übrigens: Auch ein frisch gepresster Saft oder ein Smoothie können eine "Portion" sein!
  • Zucker und Salz gehören in viele Speisen und sind in vielen Lebensmitteln enthalten - für beides gilt: In Maßen statt in Massen genießen.
  • Auf die Vielfalt kommt es an! Eine gesunde Ernährung darf sich selbstverständlich an den Vorlieben und dem Geschmack des Einzelnen richten. Sie sollte dabei jedoch nie einseitig sein. Eine abwechslungsreiche Ernährung aus viel Obst und Gemüse, Milchprodukten und etwas Fleisch oder Fisch sorgt dafür, dass der Körper bekommt, was er benötigt.

Diese "Regeln" sind nicht neu und grundsätzlich für jeden Menschen gut und richtig. Menschen mit Lungenkrebs profitieren davon besonders, da eine Krebstherapie für Körper und Geist eine Belastung sein kann. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hilft, den Körper zu stärken und die Nebenwirkungen der Therapie abzumildern.

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Co.: Nebenwirkungen einer Krebstherapie "austricksen"
Eine Lungenkrebstherapie kann zu ungewollter Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, einem geminderten Geruchs- und Geschmackssinn oder Übelkeit führen. Damit der Köper "fit" für Bestrahlung, Chemotherapie oder Operation ist, ist es umso wichtiger, dass er mit den Nährstoffen versorgt wird, die er braucht. Die oben genannten Regeln können dabei helfen. Etwas schwieriger wird es natürlich, wenn diese Nebenwirkungen dazu führen, dass der Köper zusätzlich geschwächt wird. Viele kleine Tricks und Tipps sorgen aber auch dann dafür, dass der Körper bekommt, was er benötigt. Einige Beispiele:

  • Appetitlosigkeit
    Ganz wichtig: Essen Sie, worauf Sie Lust haben! Eine gesunde Ernährung ist wichtig während einer Krebstherapie - aber wenn Sie Hunger auf einen Schokoriegel haben, essen Sie diesen einfach. Viele kleine Mahlzeiten statt drei großer sind für Menschen mit Appetitlosigkeit ebenfalls einfacher zu handhaben. Wenn diese kleinen Mahlzeiten optisch ansprechend angerichtet sind, in Gesellschaft und angenehmer Atmosphäre gegessen werden und vielleicht zu einem kleinen "Erlebnis" mit Freunden oder der Familie werden, kann essen auch ohne Appetit Freude machen. Eine andere Methode ist das "nebenher essen" - was eigentlich verpönt ist, kann bei Appetitlosigkeit helfen: Vor dem Fernseher oder beim Lesen essen lenkt ab und nimmt er Mahlzeit die Bedeutung.
    Bestimmte Tees oder Säfte (würzige Gemüsesäfte, Tees mit Salbei oder Enzian) können zusätzlich den Appetit anregen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sich nicht "satt trinken"!
  • Übelkeit
    Bei Übelkeit ist niemandem nach einem großen Teller mit einem fettigen Braten zumute! Kleine Mahlzeiten, zurückhaltendes Würzen, Pfefferminz- oder Ingwertee und leicht abgekühlte Speisen helfen dabei, auch bei Übelkeit Nährstoffe aufnehmen zu können. Da häufig der Geruch von Speisen bereits Übelkeit verursacht, sollten Betroffene möglichst nicht selbst kochen und stets gut lüften.
  • Geschmacksstörungen
    Besonders während einer Chemotherapie können Veränderungen in der Mundschleimhaut dazu führen, dass der Geschmack von Nahrungsmitteln verändert oder gar nicht mehr wahrgenommen wird. Besonders Fleisch wird häufig als nicht mehr wohlschmeckend empfunden. In diesen Fällen sollten Betroffen auf Geflügel und Fisch zurückgreifen. Die Verwendung von frischen Kräutern bei der Speisenzubereitung kann ebenfalls hilfreich sein. Gegen den "schlechten Geschmack" im Mundraum helfen Kaugummis und Bonbons. Wenn der Geschmack einer Mahlzeit fehlt, kann dies durch Lebensmittel verschiedener Konsistenz (körnig, weich, knackig) ausgeglichen werden.

Auch weitere mögliche Beschwerden wie Verstopfung, Blähungen, Sodbrennen oder Schluckbeschwerden können mit kleinen Veränderungen am Speiseplan "ausgetrickst" oder gemildert werden. Betroffene sollten dies ausführlich mit ihrem Ärzteteam besprechen.

Medizinische Hilfe gegen Untergewicht und Mangelernährung
Grundsätzlich sorgen all diese Nebenwirkungen dafür, dass der Körper eventuell unterversorgt wird. Doch besonders während der Krebstherapie benötigt er Kraft, die sozusagen aus der Nahrung kommt. Hier kann es helfen, die Speisen mit dem anzureichern, was wir eigentlich im Rahmen einer gesunden Ernährung vermeiden: Creme fraîche kann eine Suppe gehaltvoller, Sahne ein Salatdressing kalorienreicher machen. Auch Getränke dürfen gern als Kalorienquelle genutzt werden: Kakao, gesüßte Säfte oder Milchshakes sorgen für Gewichtszunahme. In der Umkehrung von Diätmaßnahmen hilft es, Teller mit kleinen Leckereien bereitzustellen, von denen der Betroffene einfach "zugreifen" kann - Obststücke, Nüsse und Rohkost, aber auch Süßigkeiten eignen sich als Fingerfood.
In manchen Fällen können jedoch auch mit diesen vielen kleinen Tricks die Nebenwirkungen einer Krebstherapie nicht aufgefangen werden. Drohen Untergewicht oder Mangelernährung, stehen Nahrungsergänzungsmittel, hochkalorische Flüssignahrung und weitere Helfer zur Verfügung, um dem Körper auch bei ausgeprägten Nebenwirkungen die benötigten Nährstoffe zuzuführen. Diese Mittel müssen jedoch unbedingt von einem Arzt ausgewählt werden!

"Viel hilft viel" - nicht immer!
Viele Drogerien und sogar Supermärkte bieten Nahrungsergänzungsmittel an: Vitaminpräparate, Mineralien oder Fettsäuren - einzeln oder als Kombinationspräparate - suggerieren Gesundheit. Und häufig liegt der Gedanke nah, dass etwas, das im Supermarkt zwischen Angeboten und Zahnbürsten steht, schließlich nicht so verkehrt sein kann, da es kein "richtiges" Medikament ist. An einem Vitamin kann schließlich nichts schlecht sein. Das Vitamin ist tatsächlich nicht das Problem - aber die Menge. Menschen mit einer gesunden Ernährungsweise benötigen keine Ergänzung in Pillen- oder Pulverform - auch Krebspatienten nicht! In manchen Fällen kann es zwar hilfreich sein, bestimmte Mangelerscheinungen durch Medikamente auszugleichen, diese sollten dann jedoch unbedingt von einem Arzt verordnet werden. Studien haben gezeigt, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung einer Krebstherapie einschränken statt sie positiv zu beeinflussen. Menschen mit Lungenkrebs sollten daher nicht ohne Rücksprache mit ihrem Arzt zu "Vitaminpillen" und Co. greifen.

Dr. med. Abdel Hakim Bayarassou

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