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Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg

Aktuell: Atemlos in der Hitze
Wie Menschen mit Lungenkrebs an heißen Tagen Luftnot lindern können

Bei Temperaturen über 30 Grad fühlen sich auch gesunde Menschen schnell erschöpft, bei schwülem Wetter kommt schnell das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können, hinzu. Für Menschen mit Lungenkrebs kann hochsommerliches Wetter umso anstrengender sein. Dr. Abdel Hakim Bayarassou, Lungenspezialist aus dem Malteser Krankenhaus, erklärt, mit welchen Tricks der Atemnot entgegengewirkt werden kann.

29.05.2017
Einreibungen mit Lösungen und Tinkturen mit ätherischen Ölen, die zuvor im Kühlschrank gekühlt wurden, können Atemnot lindern.
Einreibungen mit Lösungen und Tinkturen mit ätherischen Ölen, die zuvor im Kühlschrank gekühlt wurden, können Atemnot lindern.

Warum leiden Menschen mit Lungenkrebs eher unter Atemnot, wenn es draußen richtig heiß ist?
Zum einen stehen Menschen mit einer - oder nach einer erfolgreich überstandenen - Lungenkrebserkrankung häufig nicht alle Lungenareale für die Atmung zur Verfügung. Dadurch ist die Lunge weniger leistungsfähig, der Gasaustausch ist eingeschränkt - und es kommt zu Atemnot. Auch Schmerzen, vernarbtes Lungengewebe oder Übergewicht können sich negativ auf das objektive oder subjektiv empfundene "Luftkriegen" auswirken. Heiße Temperaturen und drückende Luft können zu einer Verstärkung dieses Symptoms führen.

Das Wetter ist ja bekanntlich nicht zu ändern - was können Betroffene tun, um die Atemnot zu lindern?
Es gibt verschiedene kleine Hilfen, die ganz einfach zu Hause angewendet werden können. Grundsätzlich gilt: Unsere Haut reagiert auf Kühle und auf "bewegte" Luft. Beides signalisiert dem Gehirn "Du bekommst genug Luft, alles ist gut" - und das Gefühl der Luftnot wird reduziert. So können beispielsweise kleine Handventilatoren dafür sorgen, dass die Gesichtshaut gekühlt wird, der dadurch entstehende Luftzug hilft ebenfalls. Gleiches gilt für Ventilatoren im Raum. Jeder Windstoß, der über die Haut aufgenommen wird, signalisiert dem Gehirn "Es ist genug Luft da".
Auch kleine "Schocker", die einen Atemreflex auslösen, empfinden viele Betroffene als angenehm. Ein kalter Waschlappen oder eine Einreibung mit einer alkoholhaltigen Lösung aus ätherischen Ölen wie Latschenkieferöl können hier gute Wirkung haben. Wenn dann anschließend ein Angehöriger den Brustkorb und den Rücken noch sanft abklopft, ist eine solche Einreibung fast Wellness… Im Ernst: Auch Entspannung hilft natürlich. Atemnot führt schnell zu Panik, diese wiederrum wirkt sich negativ auf den Rhythmus und die Tiefe der Atmung aus. Entspannung sorgt dafür, das Panikgefühl abzuschwächen und damit auch für eine ruhigere Atmung und weniger Luftnot.

Was ist mit der Raumluft? Sollten die Fenster lieber geschlossen bleiben, um die Hitze auszusperren oder geöffnet werden, um die Luft hineinzulassen?
Frische Luft ist natürlich gut gegen die Atemnot - wenn aber von draußen nur stickige und schwüle Luft kommt, hilft ein geöffnetes Fenster wenig. Hier empfehlen wir eher Ventilatoren oder Klimaanlagen gegen zu hohe Raumtemperaturen. Bei den Anlagen ist aber Vorsicht angesagt: Zu kalt eingestellt, können sie zu Erkältungen führen! Also eher sanfte Abkühlung wählen und mit Ventilatoren zusätzlich für "bewegte Luft" sorgen. Dazu idealerweise alle paar Stunden einmal Stoßlüften, um Sauerstoff ins Zimmer zu lassen und nachts am besten das Fenster öffnen.

Was können Angehörige und Freunde tun, um Betroffenen zu helfen?
Die erwähnten Einreibungen mit einer aromatischen Lösung, die zuvor im Kühlschrank gekühlt wurde, oder Abwaschungen mit einem kalten Lappen helfen gut. Ansonsten ist es wichtig, keinen falschen Ehrgeiz an den Tag zu legen: Der Betroffene selbst weiß meist instinktiv, was gut für ihn ist. Wenn er also das Fenster nicht geöffnet haben möchte, sollten Angehörige das akzeptieren und Alternativen anbieten. Ganz falsch sind Ratschläge wie "Aber einmal am Tag musst du dich doch ein bisschen bewegen" und aufgezwungene Spaziergänge oder ähnliches. Die können wieder unternommen werden, wenn die Temperaturen unter 30 Grad sinken…

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