Navigation
Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg

Medizin-Info: Dem Tumor auf der Spur - mit "starrer Bronchoskopie" zur sicheren Diagnose

Bei einem Verdacht auf Lungenkrebs gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Diagnose zu sichern. Wenn ein Tumor eindeutig erkannt ist, muss untersucht werden, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Die "starre Bronchoskopie" ist eine sichere Methode für beides - die zudem sehr schonend für den Patienten ist und eine so systematische Untersuchung ermöglicht wie kaum ein anderes Verfahren.

01.08.2017
Sie ist schonend und ermöglicht eine systematische Untersuchung: Mit einer starren Bronchoskopie ist eine sichere Diagnose möglich
Sie ist schonend und ermöglicht eine systematische Untersuchung: Mit einer starren Bronchoskopie ist eine sichere Diagnose möglich
Für Laien ist hier nichts erkennbar, die erfahrenen Ärzte des Lungenkrebszentrum hingegen können aus den Ultraschallbildern der Lymphknoten Rückschlüsse auf das Stadium der Erkrankung ziehen.
Für Laien ist hier nichts erkennbar, die erfahrenen Ärzte des Lungenkrebszentrum hingegen können aus den Ultraschallbildern der Lymphknoten Rückschlüsse auf das Stadium der Erkrankung ziehen.

Bei einer Bronchoskopie untersucht der Arzt mit speziellen Geräten die Lunge "von innen": Mit einem dünnen Schlauch, der mit einer Lichtquelle und einer Optik ausgestattet ist, verschafft er sich Sicht und kann so die Lunge "unter die Lupe" nehmen - und damit einer vermuteten Erkrankung auf den Grund gehen. Weitere Geräte ermöglichen auf diesem Weg beispielsweise die Entnahme von Gewebeproben oder eine Ultraschalluntersuchung von Lymphknoten in der Lunge.

Unflexibel! …kann eine positive Eigenschaft sein
Grundsätzlich ist dieses Untersuchungsverfahren starr oder flexibel durchführbar. "Flexibel" meint dabei den Einsatz eines biegsamen Endoskops ("Schlauch"), bei einer starren Bronchoskopie hingegen wird ein Metallröhrchen als Zugangskanal verwendet, durch den das eigentlich flexible Bronchoskop in die Lunge eingeführt wird. Was zunächst vielleicht wenig komfortabel klingt, ist für den Patienten unter Umständen schonender und für die sichere Diagnostik ein Vorteil. Eine starre Bronchoskopie wird stets unter Vollnarkose durchgeführt; außerdem kommt dabei die "Jet-Ventilation", eine stoßweise Beatmung mit Sauerstoff, zum Einsatz. Für den Patienten bedeutet dies nicht nur, dass er von der gesamten Untersuchung nichts mitbekommt, sondern auch, dass die Untersuchungsqualität höher ist. Bei einer flexiblen Bronchoskopie wird meist ein Hustenreiz ausgelöst - durch die Bewegungen ist es komplizierter, Gewebeproben zu entnehmen oder eine Geweberegion im Detail anzusehen. "Schläft" der Patient hingegen tief in Vollnarkose und wird in der regelmäßigen Atmung unterstützt, kann der Lungenfacharzt mit der größtmöglichen Präzision arbeiten und optimale Ergebnisse erzielen.

Die Grundlage des Therapieplans: eine sichere Diagnose
Die starre Bronchoskopie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Lungenkrebserkrankung auf ihre Ausbreitung untersucht wird. Beim sogenannten "Staging" wird festgelegt, in welchem Stadium der Tumor sich befindet. Dazu werden die entscheidenden Lymphknotenregionen in der Lunge bzw. an den großen Atemwegen systematisch  untersucht. Zum einen liefert die Ultraschalluntersuchung der Lymphknnoten (EBUS - endobronchialer Ultraschall) erste Hinweise darauf, ob diese vom Tumor befallen sind, zum anderen werden Gewebeproben durch eine Nadel (Punktion) entnommen, die anschließend von Pathologen analysiert werden. Beides zusammen ergibt eine sichere Diagnose des Tumorstadiums. Dieses wiederrum ist entscheidend für die weitere Therapieplanung - und sorgt dafür, dass dem Patienten keine unnötig invasiveren Eingriffe zugemutet werden müssen. Bei dieser Lymphknotenuntersuchung werden die einzelnen Lymphknotenstationen systematisch hintereinander untersucht. Zur weiteren Absicherung kann neben der Bronchoskopie noch ein sogenanntes PET-CT beitragen; bei dieser Untersuchung wird dem Patienten ein radioaktiv markierter Zucker appliziert. Aufgrund des veränderten Stoffwechsels von Tumorzellen reichert sich dieser vor allem in Tumoren und deren Metastasen an. Durch die Kombination einer CT-Untersuchung mit einem PET-Scanner, der die leicht radioaktive Strahlung aufzeichnet,  können so bösartige Veränderungen mit hoher Präzision erkannt werden.

Starre Bronchoskopie: ein Fast-Alles-Könner in der Lungenheilkunde
Neben der Diagnostik einer Lungenkrebserkrankung bzw. ihres Stadiums kann die starre Bronchoskopie auch bei anderen Eingriffen an der Lunge sinnvoll zum Einsatz kommen. Wird beispielsweise ein Fremdkörper eingeatmet, ist dessen Entfernung über einen sicheren Arbeitskanal, also in einer starren Bronchoskopie, die sicherste Methode. Lungenblutungen, die durch einen Tumor, eine Embolie oder Entzündungen ausgelöst werden können, lassen sich am besten im Rahmen einer starren Bronchoskopie stillen, da hier ein sicherer Atemwegszugang und Arbeitskanal gewährleitet ist. Auch bei dem Einsetzen von Stents, also eines Implantats zum Offenthalten eines Atemweges, ist die starre Bronchoskopie die Methode der Wahl. Ein solcher Stent ist meist dann notwendig, wenn ein Tumor einen Atemweg zu verlegen droht.


Dr. Abdel Hakim Bayarassou, Dr. Thorsten Winters und Laia Giralt Mata

Weitere Informationen